Ein Land – Zwei Geschwindigkeiten

von Marika Puskeppeleit

Bei der Digitalisierung wird in Deutschland mit zweierlei Maß gemessen. Die Versorgung mit leistungsfähigem Internet ist bei weitem noch nicht flächendeckend sichergestellt. Gerade in den ländlichen Räumen gibt es viele weiße Flecken, Potenziale der Digitalisierung können nur schleppend und längst nicht in vollem Umfang genutzt werden. Dabei wäre die Digitalisierung die Chance schlechthin, neue Perspektiven für die ländlichen Räume zu entwickeln. Als Arbeits- und Wohnort, als Lebensmittelpunkt für Ansässige und Zugezogene. Denn: Der digitale Wandel führt dazu, dass die Karten ein stückweit neu gemischt werden können.

Laut Grundgesetz ist die Herstellung der Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse in Deutschland erklärtes Politikziel. Fakt ist jedoch, dass dieses Ziel zumindest hinsichtlich der Ausstattung mit „schnellen Internet“ mit verschiedenen Maßstäben betrachtet und umgesetzt wird.

Standortfaktor Nr. 1 fehlt

Schauen wir genauer hin: Die Breitbandverfügbarkeit in Deutschland variiert nach der jeweiligen Gemeindeprägung. Hierbei wird unterschieden zwischen städtischen, halbländlichen und ländlichen Gebieten. Der Blick macht sehr schnell und sehr klar deutlich, dass Deutschland in ein Land mit zwei Geschwindigkeiten aufgeteilt ist. Die markante Grundaussage: Je städtischer der Raum, umso größer die Breitbandverfügbarkeit und umgekehrt. Sprechen wir über den 50 Mbit/s-Bereich, so leben Stadt und Land mit einer Differenz von nahezu 55% – zu Ungunsten der ländlichen Räume – nebeneinander her. Lediglich im Bereich von bis zu 2 Mbit/s gleichen sich Stadt und Land aneinander an. Anders ausgedrückt: Innovative Mobilitätskonzepte kommen nicht zur Umsetzung, Feriengebiete werden weniger gebucht, Unternehmen vom landwirtschaftlichen Betrieb bis hin zum Automobilzulieferer fehlt der Standortfaktor Nr.1, für Fachkräfte und junge Menschen sind die ländlichen Räume weniger attraktiv und fragile Daseinsvorsorgeeinrichtungen können nicht stabilisiert werden.

Ländliche Räume – digitale Resträume?

Dieser Blick in die Zahlen macht demzufolge nachvollziehbar, dass Aussagen wie „die ländlichen Räume sind digitale Resträume“ immer lauter werden und das Ziel der Gleichwertigkeit schlichtweg nicht ernst genommen wird.
Starke Leitungen sind die Voraussetzung schlechthin. Denn: Im Kern und im Weiteren geht es um viel mehr. Eine leistungsstarke Versorgung sorgt heute und in Zukunft für wirtschaftliche, infrastrukturelle und gesellschaftliche Stabilität und Wachstum. Dies zu vernachlässigen bedeutet an der Zukunftsfähigkeit der ländlichen Räume zu rütteln. Dabei sind gerade die ländlichen Räume Orte für die Produktion und die Weiterverarbeitung von Lebensmitteln, für das Handwerk und den Mittelstand. Dort ist die Innovationskraft Deutschlands verortet. Nicht „digital zu werden“ bedeutet im Umkehrschluss ein Nichtanschluss an Innovation und Weiterentwicklung – national wie global. Hinzu kommt der Verlust an Lebensqualität, gerade aus dem Blickwinkel junger Menschen.

Ein Blick auf die Landwirtschaft macht sehr schnell deutlich, was Digitalisierung möglich machen kann: GPS- und sensorgesteuerte Landmaschinen sorgen für mehr Effizienz und Umweltschutz auf dem Acker. Echtzeitkommunikation landwirtschaftlicher Maschinen mit Boden- und Wetterdaten führt zu mehr Nachhaltigkeit auf dem Feld. Monitoringsysteme im Stall liefern Gesundheits- und Leistungsdaten der Tiere in Echtzeit und ermöglichen eine individuelle Betreuung zugunsten von Tier und Mensch.
Ein weiterer lohnender Blick ist der in das Handwerk und in den Mittelstand. Digitale Kundenmanagementsysteme, der Einsatz von Robotik, Tracking Systeme oder auch die Möglichkeiten individualisierbare Produkte zu liefern sind essentiell, um sowohl Trends zu bedienen, als auch und vor allem ökonomisch gut dazustehen: Zeit- und Kostenersparnis zahlt unmittelbar auf das Gewinnkonto ein.

Und weiter: Die Digitalisierung birgt ein enormes Potenzial, Infrastrukturen und Daseinsvorsorgeeinrichtungen zu stabilisieren und weitaus attraktiver zu gestalten. Die Menschen in den ländlichen Räumen müssen mobil sein – digital wir analog. Sie benötigen ärztliche und pflegerische Versorgung ebenso wie die Städter und Menschen im Ehrenamt, in Vereinen und Nachbarschaften profitieren auf vielen Ebenen von digitalen Möglichkeiten. Projekte wie die digitalen Dörfer machen es vor.
Die Potenziale sind groß und werden noch größer durch ein kluges Datenmanagementsystem. Die Gleichung ist denkbar einfach:

(Datenproduktion + Datenverarbeitung) X Datentransport = Gewinn.

Schlüsseln wir diese Gleichung auf: Immer mehr technische Anwendungen, Sensorik oder auch künstliche Intelligenz führen zu immer größeren Datenmengen. Schon heute entstehen weltweit täglich 2,5 Trillionen Byte Daten. Diese gilt es zu verwalten und zu verarbeiten.

Daten sind die neue Währung

Gleichzeitig ist der Ruf – berechtigterweise – nach Datenhoheit laut und energisch. Die Frage nach „Wem gehören die Daten?“ ist gleichbedeutend mit der Frage „Wer verdient an den Daten?“. Nicht umsonst gilt: Daten sind die neue Währung. Wer klug handelt, kann aus seinen Daten eigene Prozesse optimieren, Ausgaben reduzieren und im besten Fall neue Geschäftsfelder ausmachen. Wer noch klüger handelt, initiiert neue Daten-Cluster und Wertschöpfungsketten mit Kooperationspartnern regional bis weltweit und nutzt dabei den gemeinsam definierten Vertrauensraum, eigene Daten einem gemeinsamen Ziel zur Verfügung zu stellen.

Die Königsdisziplin heißt Blockchain

Hinter dieser Technik steckt die Forderung nach und das Gewährleisten von Vertrauen. Sei es in der Finanzwelt, im Handel oder in einer Produktions- oder Energiekette. Intermediäre entfallen, Kosten werden gesenkt und Transparenz erhöht. Ein Beispiel aus der Verwaltung: Ein amerikanisches Start-up entwickelt Anwendungen, um Grundbücher über die Blockchain-Technologie abzubilden. In Estland gibt es seit Längerem mit “Keyless Signature Infrastructure” eine Lösung, mit der Bürger die Integrität ihrer Daten in Verwaltungsregistern prüfen können. Es verhindert zugleich, dass innerhalb des Verwaltungsnetzes Daten missbräuchlich verwendet werden.
Aber: Immer komplexere technische Anwendungen führen zwangsläufig zu noch mehr Datenvolumen.
Immer größer werdende Datenvolumina müssen transportiert – quasi vom Entstehungsort auf einen Datenspeicher- und Datenverarbeitungsort – und wieder zurück in verarbeiteter Form zum Entstehungsort (z.B. Maschine) geleitet werden. Hierzu bedarf es Netzanforderungen, die Spitzenleistungen liefern. Insbesondere die durch die Digitalisierung ermöglichte Präzisionslandwirtschaft, der Austausch medizinischer Daten in oder auch das autonome Fahren basiert auf millisekundengenaue Echtzeitkommunikation und damit hochleistungsfähigem Internet mit flächendeckenden Glasfaseranschlüssen im mindestens 5 Gigabite- Bereich.

Gleichwertigkeit von Chancen und Potenzialen

Es geht um Gleichwertigkeit von Chancen und Potenzialen. Hierbei spielt die Ökonomie eine starke und wichtige Rolle. Die Wirtschaftskraft und der Erhalt von Arbeitsplätzen sind essenziell für ein gutes Leben in den ländlichen Räumen. Aber es geht es auch um Menschen. Es geht um die im Ehrenamt Tätigen in Vereinen und Kirchen, um die junge Generation wie auch um Senioren.
Die Digitalisierung kann ein Gewinn für die ländlichen Räume werden. Das steht außer Frage. Auf drei Punkte gebracht ermöglicht sie die Überwindung von Distanzen, die Steigerung von Effizienz – auf welcher Ebene auch immer – und ein deutliches mehr an Vernetzungsmöglichkeiten. Dieses gilt es umzusetzen, denn die Gestaltungsmöglichkeiten in den ländlichen Räumen steigen enorm mit der Digitalisierung.

Die Autorin

Marika Puskeppeleit

Geschäftsleiterin 


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